Norwegen hat uns wirklich begeistert. Es ist wunderschön und wir werden auf jeden Fall wiederkommen. Alle Norweger haben uns gesagt, dass wir auf jeden Fall noch die Westküste hochfahren sollten. Dafür fehlt uns dieses Mal leider die Zeit aber wir kommen ja irgendwann wieder zurück nach Europa.
Wir haben uns tatsächlich ein paar schöne Urlaubstage im Rosfjord gemacht.
Adam hat bei anderen Kindern gesehen, dass sie Krabben angeln und hat sich daraufhin aus einem Stück Holz, einer Schnur, einer Wäscheklammer und einem kleinen Bleigewicht selber eine Krabbenangel gebaut. Und recht bald war er auch erfolgreich und hat seine erste Krabbe – „Krabbi“ – geangelt. Wir haben dann gemeinsam entschieden, Krabbi wieder frei zu lassen und hoffen, dass er oder sie noch ein wunderschönes langes Leben hat. Später hat Adam noch eine richtig dicke Krabbe gefangen, die wir auch wieder frei gelassen haben.
Außerdem waren Adam und Pedro noch Lachs angeln im Lyngdal Fluss. Die Beiden sind an dem Tag 20 km Rad gefahren! Leider gab es keinen Lachs für uns 🙁 Dafür hat uns in unserer Bucht ein Seelöwe besucht. Pedro hat ihn nur bemerkt weil er laut gebrüllt hat. Er war dann eine ganze Weile da und hat vermutlich gejagt.
Fun Fact über Norwegen: mit einem so großen Schiff wie der Sirena muss man den norwegischen Behörden alle 12 Stunden seinen Standort mitteilen und die ganze Zeit sein AIS anlassen. Als wir das einmal verbaselt haben, gab es sofort einen Anruf mit der Nachfrage, ob denn noch alles in Ordnung mit uns ist.
Nach einer Woche ging es dann los in Richtung Schottland. Die Winde sind gerade eher nicht so mit uns, auch diesmal gab es nur ein kurzes Zeitfenster in dem die Überfahrt überhaupt möglich schien. Die Welle war am Anfang grausig gegenan und wir haben herausgefunden, dass auch Elga bei ekliger Welle seekrank wird. Und da es wirklich kalt und regnerisch war, war ich also die meiste Zeit mit ihr unter Deck. Das kennen wir ja schon von Adam. Das anstrengende an seekrankem Kind ist, dass ich irgendwann dann selber etwas mit Seekrankheit zu tun bekomme, weil ich die ganze Zeit unter Deck bin und Kinderkotze wegmache. Die Überfahrt war für mich also eher anstrengend.
Generell kennt man nach einer Weile auf einem Schiff ja die normalen Geräusche, die so ein Schiff von sich gibt. Und nachts höre ich normalerweise den Motor (falls an), die Wellen und den Autopiloten, der immer wieder das Ruder bewegt. In der ersten Nacht der Überfahrt war da plötzlich noch ein ganz grässliches Geräusch. So als ob der Autopilot sich fürchterlich quält. Irgendwann dann auch noch einen starken Rums, danach dann noch viel vehementer das grässlich gequälte Geräusch. Kurz hatte ich im Halbschlaf Horrorvisionen von Orcas, die mitten in der Nordsee unser Ruder angreifen. Warens natürlich nicht. Nachdem ich Pedro Bescheid gesagt hatte, hat er mal alles angeguckt und festgestellt, dass wir keinerlei Ruderbewegung mehr haben. Also wir konnten am Steuerrad rumdrehen wie wir wollten, das Ruder bewegte sich nicht. Zum Glück war die Sirena richtig gut eingestellt, ist schnurgerade weitergesegelt und mit dem Besansegel war leichtes Steuern weiterhin möglich.
Es musste also eine nächtliche Reparatursession gestartet werden. Leider liegt der Übeltäter unter unserem Bett, deswegen mussten wir erstmal Adam und Elga in eine andere Kabine verfrachten, damit Pedro an die Hydraulik heran konnte. Dann ging Pedro ans Werk. Ich bin immer wieder froh einen Ingenieur an Bord zu haben. Wir wären sonst schon mehrfach verloren gewesen. Zum Glück war das Problem schnell gefunden und repariert: die Hydraulikstange musste neu an den Ruderhebel angeschraubt werden. Danach ging die Nacht mit fürchterlichem Geschaukel aber ansonsten ruhig weiter. Am Morgen haben wir uns übernächtigt (wir beide) und leicht seekrank (ich) auf jeden Fall mal wieder gefragt, warum wir das hier eigentlich machen. Spass macht sowas jedenfalls nicht…. Aber als ich dann später am Tag oben in der Sonne an Deck saß, noch ein wenig flau im Magen aber am Leben und einen ganzen Vogelschwarm neben uns beobachtet habe, wusste ich wieder warum. Das Segeln lehrt mich auf jeden Fall immer wieder eine gewisse Demut vor den Naturgewalten und auch, mich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen. Nach ca. einem Tag wurde dann auch das Meer ruhiger und das Leben an Bord hat wieder Spass gemacht.
Nach 2,5 Tagen und 2 Nächten mit viel Motor und einer Delphinsichtung kamen wir dann in Peterhead an. Peterhead hat eine ganz kleine Marina, die leider keinen groß genugen Steg für uns hat. Deswegen wurden wir netterweise im Fischerhafen einquartiert. Peterhead ist ein recht großer Fischerhafen mit einem großen Fischmarkt und richtig vielen Fischerbooten in allen möglichen Größen. Und in dem Bassin in dem wir lagen leben zwei Kegelrobben, die immer wieder gemütlich dort rumschippern und sich von Fischresten ernähren. Wir fanden es recht schön dort, haben uns einmal richtig klassisch Fish & Chips und Sticky Toffee Pudding gegönnt und uns ein bisschen von der wilden Überfahrt erholt. Der Tidenhub in Peterhead beträgt 2,5m, was das an und von Bord kommen zeitweise zu einem echten Abenteuer gemacht hat.
Von Peterhead ging es dann weiter in Richtung Inverness. Wir haben einen kurzen Zwischenstop in Buckie, einem kleinen kommerziellen Hafen gemacht. Dort haben wir auch Kirsty an Bord genommen, die Schottin ist und im Herbst mit uns über den Atlantik segeln wird. Sie ist einen Tag mit uns mitgekommen, um uns und das Schiff schonmal kennen zu lernen.
Wir sind dann fürchterlich früh in Buckie losgefahren und hatten nach zwei Segelstunden am Morgen einen reinen Motortag. Wir haben Elgas Harniss ausprobiert, Wale und Delphine gesehen und an Deck Tennisball-Fußball gespielt. Außerdem sind wir ein Ball-über-Bord-Manöver gefahren.
Am Nachmittag um ca. 15:00 sind wir dann an der Einfahrt zum kaledonischen Kanal angekommen und konnten auch sofort in die Schleuse. Nach zwei Schleusen und einer Drehbrücke waren wir dann in der ersten Marina des Kanals angekommen, in der wir neu verproviantieren und kurz durchatmen wollten.
An unserem Pausentag haben wir erstmal wunderbar ausgeschlafen, dann hat Pedro Semmeln und süße Teilchen geholt (von denen sich dann die Hälfte als herzhafte fleischige Teilchen herausgestellt hat….), wir haben gebrunched und wollten dann am Nachmittag einkaufen und Wäsche waschen und neues Gas besorgen. Elga war so entspannt, dass sie beim Essen eingeschlafen ist
Bei den Vorbereitungen für den Einkauf ist mir aufgefallen wie unglaublich verrödelt mein Rucksack innen ist und ich habe mal wieder alles rausgeräumt und allen Müll aussortiert und weggeschmissen. Eigentlich wollte ich den Rucksack auch mal wieder ausschütteln, habe das dann aber vergessen und alles wieder eingeräumt. Zum Glück ist es mir dann noch eingefallen und ich habe alles wieder ausgeräumt und bin hoch an Deck. Dort habe ich den Rucksack umgedreht und über Bord gehalten und ausgeschüttelt. Und siehe da: Ich hatte doch nicht alles wieder ausgeräumt, sondern mein Handy in der Seitentasche des Rucksacks vergessen. Den Moment als es aus dem Rucksack und in den kaledonischen Kanal gefallen ist werde ich wohl nie vergessen….
Damit war der ruhige Nachmittag dahin. Wir haben erstmal die Instrumente angemacht und geguckt, wie tief das Wasser an dieser Stelle eigentlich ist. Ergebnis: 4,3 m. Das ist durchaus ertauchbar. Leider ist das Wasser recht trüb, ohne Lampe hat man also keine Chance, irgendetwas zu finden. Pedro hat unsere beste Taschenlampe mit Isolierband umwickelt, um sie einigermaßen wasserfest zu machen und hat unsere Taucherbrillen rausgekramt und ich habe meinen Badeanzug angezogen. Ich bin dann also ab ins Wasser und durfte mich wieder an alles erinnern was ich beim Apnoetauchen gelernt habe. Also erstmal Gesicht nass machen, soviel CO2 ausatmen wie möglich, ganz ruhig werden und dann in Ruhe zum Grund tauchen. Leider sind meine Flossen sehr tief vergraben, so dass ich ohne runtertauchen musste. Durch das trübe Wasser war die sichtbare Fläche leider wirklich immer recht klein. Um es ein bisschen leichter zu machen haben wir unseren kleinen Dinghianker an einer Leine runtergelassen, so dass ich mich zumindest an der Leine orientieren konnte. Nach dem zweiten Versuch habe ich die Hoffnung verloren, da ich richtig gemerkt habe, dass ich momentan weder körperlich fit noch im Atemtraining bin. Meine Luft war also jedesmal schon fast aus wenn ich am Grund angekommen bin wodurch die Zeit zum Suchen immer sehr kurz war. Ich habe mir also noch einen letzten verzweifelten Versuch gegeben und siehe da: unten angekommen habe ich mich einmal umgedreht und vor mir lag mein Handy. Schnell geschnappt und wieder an die Oberfläche!
Ich habe Pedro das Handy und die Taucherbrille gegeben und dann war die Frage, wie ich wieder aus dem Wasser komme. Die Sirena hat ja keine Badeplattform und ich habe momentan noch nicht wieder genug Bauchmuskeln um mich an unserer Strickleiter am Heck hochzuziehen. Auch auf den Schwimmsteg kam ich nicht hoch. Also musste Pedro die Badeleiter zusammenbauen und ich durfte noch ein bisschen im kaledonischen Kanal rumhängen. Nachdem ich wieder an Bord war, die Überraschung: Das Handy ging noch! Also hab ichs schnell ausgeschaltet und zum Trocknen abgelegt. Am Abend hab ichs dann noch komplett zerlegt (Fairphones sind doch einfach cool!) und jetzt liegt es immernoch zum Trocknen herum. Morgen werde ich wohl mal probieren, ob es noch geht.
Was wir daraus gelernt haben:
- bevor man den Rucksack ausschüttelt nochmal ALLE Taschen kontrollieren
- wir brauchen eine gute Unterwasserlampe, schließlich fällt immer wieder Zeug ins Wasser
- bevor wir losfahren muss die Badeleiter zusammengebaut sein, da dies die einzige Möglichkeit ist, jemanden wieder an Bord zu bekommen, der ins Wasser gefallen ist
Heute beim Ablegen ist Adam von Bord gegangen und hat die Leinen los gemacht. Und beim Anlegen an der Tankstelle ist er von Bord gesprungen und hat die Leinen wieder fest gemacht. Richtig cool! Danach sind wir dann unsere erste Schleusentreppe hochgefahren. 4 Schleusen hintereinander! Elga hat die ganze Aufregung verschlafen aber wir Anderen fanden es sehr beeindruckend. Ich bin immer wieder fasziniert von der Einfachheit und Genialität von Schleusen! Und der kaledonische Kanal ist 200 Jahre alt. Fertigstellung war 1825. Einfach beeindruckend…
Jetzt liegen wir oberhalb der Schleusentreppe und werden morgen weiterfahren in die nächste Marina und übermorgen dann in den Loch Ness.
Liebe Grüße
Becci


































1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Hallo Sirena Besatzung! Danke für den interessanten Bericht! Ich wünsche Euch eine gute Reise, immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel und beste Winde. Und nicht vergessen ein schönes Foto von Nessie zu machen 😉 Liebe Grüsse, -ULISSES-