Disclaimer: Wir haben eine ganze Weile nicht geschrieben, deswegen liefern wir die Blogposts jetzt nach 🙂 Dieser hier behandelt die Zeit vom 04.08. bis 12.08.2026.
Erstmal vorneweg: Wenn du jemals die Gelegenheit hast, den kaledonischen Kanal zu bereisen, dann mach das auf jeden Fall! Es ist wunderschön! Deswegen hier erstmal ein paar Impressionen:
Wir haben uns recht viel Zeit gelassen und sind seeeehr gemütlich durch den Kanal gefahren.
Bevor wir richtig in den Kanal gestartet sind, wurden wir noch von der TS Royalist überholt, einem Schiff der Sea Cadets. Das ist nochmal eine andere Größenordnung und so ungefähr die Obergrenze an Schiffsgröße, die noch den kaledonischen Kanal befahren kann.
Ebenfalls bevor wir richtig losgefahren sind, mussten Pedro und Adam noch einen Benzintank für unseren Außenborder – Janice – besorgen. Wir haben nämlich zwei Außenborder: einen elektrischen und einen benzinbetriebenen. Standardmässig nutzen wir gerade den elektrischen aber Adam möchte unbedingt Janice wieder in Betrieb nehmen, weil die nämlich schneller fahren kann. Also sind die beiden in Inverness noch zu einem Yamaha-Laden gestiefelt und kamen stolz mit einem neuen Tank zurück.
Ich habe noch ausprobiert, ob mein Telefon noch funktioniert und das Ergebnis war halb zufriedenstellend: Das Telefon ist gestartet (das habe ich an einer Vibration gemerkt) aber das Display ist leider schwarz geblieben. Deswegen habe ich mir ein neues Display bestellt und lasse mir das nach Oban, unseren ersten Hafen nach dem kaledonischen Kanal liefern. Dann kann ich testen, ob es wirklich nur am Display liegt. Zum Glück hatte ich kurz vor unserer Abreise schonmal ein kaputtes Teil an meinem Handy und habe deswegen ein halbwegs eingerichtetes Ersatzhandy. Das benutze ich jetzt erstmal.
In Dochgarroch haben wir dann Berit an Bord genommen, die jetzt eine ganze Weile mit uns mitfahren wird. Und dann gings auch schon in den Loch Ness. Wir haben natürlich fleißig nach Nessie Ausschau gehalten aber leider hat sie sich uns nicht gezeigt.
Dafür hat der Loch Ness uns mit seiner ganzen Schönheit und verwunschenen Magie beeindruckt. Wir haben in einer Nebenbucht des Sees eine Besucherboje gefunden, an der wir uns festmachen konnten. Von dort aus sind wir dann an Land gegangen und erstmal auf einer Schafweide gelandet.

Wenn man diese überquert hat und das Ausgangstor gefunden hat, konnte man sich auf den Weg zum Urquhart Castle machen. Das ist das verfallene Schloss, das auf allen kitschigen Bildern von Loch Ness zu sehen ist. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Während Adam und Pedro sich auf die Jagd nach Benzin für unseren neuen Benzintank gemacht haben, sind Berit und ich zum Urquhart Castle spaziert. Wer das noch nicht über mich weiß: Ich liebe Burgen und ich liebe Ruinen und Burgruinen sind demnach das allergrößte für mich!
Auf dem Gelände der Burg gab es auch einen Nachbau eines Trebuchets. Meine liebste Belagerungswaffe aus „Stronghold Crusader“ und „Age of Empire“ :)) Außerdem natürlich wunderbar viele kaputte Mauern. Und ganz viele Informationen zu den Konflikten zwischen den schottischen Highland-Clans und dem englischen Königshaus.
Auf dem Rückweg konnten wir dann noch ein paar schöne Bilder von Sirena an der Boje machen.
Am nächsten Tag gab es dann so richtig schönes schottisches Grauswetter. Der Wind pfiff uns über den Loch Ness entgegen und wir haben uns fast wie auf dem Meer gefühlt. Wir waren heilfroh, als wir den nächsten „Hafen“ in Fort Augustus erreicht haben.
Dort sind wir dann zwei volle Tage geblieben weil die Brücke dort einen Tag lang ausgefallen ist. Wir wollten allerdings sowieso da bleiben weil der Pausentag komplett verregnet war und wir da dann doch lieber nicht unterwegs sein wollten. Also haben wir ein bisschen Fort Augustus unsicher gemacht. Dort dreht sich alles um den Loch Ness und wir hatten recht viel Spass dort.
In Fort Augustus haben wir außerdem die „Oida“ getroffen, ein anderes österreichisches Boot, das lustigerweise die Registrierungsnummer zwei vor uns hat. Die haben ihr Schiff also auch 2019 in Wien angemeldet 🙂
In Fort Augustus gibt es eine Schleusentreppe mit 5 Schleusen, die wir mit einer Doppelschleusung bewältigt haben. Durch die ausgefallene Brücke hatten sich natürlich recht viele Schiffe angesammelt und deswegen sind zwei Schleusenkammern mit Schiffen gleichzeitig nach oben befördert worden. Und wir sind in einer komplett deutschsprachigen Truppe da hoch geschleust. Zwei deutsche und zwei österreichische Schiffe. Witzig!
Für uns sind Schleusen nicht so trivial, da wir ja vorne immer unser Klüvernetz im Weg haben. Das bedeutet, dass wir zwei Vorleinen legen müssen, die wir dann irgendwann wechseln müssen, damit wir keinen Druck auf unser Netz bekommen. Da die Schleusenwärter in Schleusentreppen immer zwei Erwachsene an Land haben möchten, um die Leinen von einer Schleusenkammer in die nächste zu tragen und Pedro am Steuer bleiben musste, hat also Adam die Aufgabe bekommen, die Vorleinen zu bedienen. Und das hat er bravourös gemeistert. Die Schleusenwärter waren beeindruckt und Adam war das vermutlich meistfotografierte Motiv an diesem Tag. Und als dann einer der Schleusenwärter meinte, dass er das besser gemacht hat als so mancher Erwachsene, da war der Stolz natürlich groß!
Nach der Schleusentreppe ging es noch durch eine weitere Schleuse und eine Schwenkbrücke. Man beachte den Geist im Fenster am Cullochy Lock! Die Schwenkbrücken fanden wir auch alle total faszinierend. Ein einfaches Prinzip, das aber wunderbar funktioniert. Und wie schon erwähnt: vor 200 Jahren gebaut!
Ein Thema, das uns die ganze Zeit über beschäftigt hat, war Wäsche trocknen… Wir haben ja inzwischen eine kleine Bordwaschmaschine und die wird auch rege genutzt. Vor Allem Windeln waschen wir ständig. Aber wenn man Wäsche gewaschen hat, dann muss man die natürlich auch trocken bekommen. Und das ist garnicht so einfach, wenn es ständig regnet oder nieselt. Deswegen haben wir irgendwann unser Vorschiffs-Sonnendach aufgebaut und darunter eine Wäscheleine gespannt. Dadurch haben wir unsere Wäsche zumindest einigermaßen trocken bekommen. Und sobald auch nur ein bisschen Sonne rauskam haben wir das ganze Schiff mit Wäsche voll gehängt. Berit hat sich sogar irgendwann beschwert und meinte, dass es schon schön doof ist, die schöne Aussicht mit Windeln zu verhängen…
Der nächste See und gleichzeitig der höchste Punkt des kaledonischen Kanals war der Loch Oich. Mein persönliches Highlight der Fahrt. Der See ist recht klein und irgendwie total verwunschen. Es gibt in einer Buchtmit einem Schiffswrack einen kleinen Steg an dem man anlegen kann und dann kann man zu einem Hotel laufen und dort richtig klassisch Nachmittagstee bekommen. Und nach dem ganzen Wind und Wetter draußen war es ein unglaubliches Gefühl, plötzlich in einem edlen Hotel mit Teppichboden und schicken Möbeln zu sitzen und Scones mit Marmelade und Tee zu genießen 🙂
Auch hier gibt es eine Burgruine, diesmal „Invergarry Castle„.
Am nächsten Tag ging es weiter in den Loch Lochy (der heißt wirklich so!). Dieses Stückchen zwischen Loch Oich und Loch Lochy war toatl bezaubernd und magisch. Man hat sich wie in einem Tunnel durch einen tiefen Wald gefühlt. Bei der Ankunft an der nächsten Schleuse kam dann die Überraschung: Der tiefe Wald ist einfach nur der Bewuchs am Rand des Kanals, außenrum sind Schafweiden 🙂 Schön ist es trotzdem…
Im Loch Lochy haben wir eine Nacht geankert und am nächsten Morgen das ungewöhnlichste Fundstück im Anker gehabt, das wir bisher hatten. Ganze Bäume fischt man im Meer eher selten mit aus dem Wasser.
Nach einem weiteren Stückchen Kanal kamen wir dann zur längsten Schleusentreppe Großbritanniens: „Neptuns Staircase„. Dort ging es acht Schleusenkammern nach unten und Adam hat wieder die ganze Zeit die Vorleinen bedient. Ich bin wirklich richtig stolz auf ihn. Das sind fast zwei Stunden lang Konzentration und acht geben.
Nach noch einer weiteren Schleuse waren wir dann am Ende des kaledonischen Kanals angekommen. Wir haben noch eine Nacht kurz vor der letzten Schleuse verbracht und dort Wasser und Diesel getankt. Pedro und Adam haben beim Angeln noch einen Fischotter entdeckt.
Am nächsten Tag sind wir durch die letzte Schleuse aus dem kaledonischen Kanal hinaus in den Loch Linnhe gefahren. Es war wunderschön und wir sind ganz bewegt von der Schönheit der Natur und der Freundlichkeit der Menschen. Danke für dieses Erlebnis! Jetzt geht es weiter in Richtung Süden, nächster Stop ist Oban.





















































3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Eure Reise durch den kaledonischen Kanal war wunderschön. Hans und ich erkannten einiges von unserer Schottlandreise 2007 wieder und sind ganz begeistert.
Adam hat sich ja zu einem sehr wichtigen Crew-Mitglied 🤩entwickelt, alle Achtung: Fischer, Vorleinenbetreuer, Beobachter der Nachbarboote und etwaiger drohender Unbillen, Beiboot-Kapitän und ….
Gute, schöne und sichere Weiterreise wünschen wir euch, Ricky und Hans
Ja der Adam ist das voll coole Crewmitglied geworden! 🙂
Nevena und ich haben gerade euren Bericht gelesen und die Fotos angeschaut. Das klingt wirklich schön und spannend. Auch wenn ihr jetzt schon ein ganzes Stück weiter gefahren sind, ist es schön zu lesen, was ihr erlebt habt vor ein paar Wochen. Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht.