Tauchen mit und ohne Flaschen

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Das Abgefahrenste zuerst: Ich bin heute ohne Geräte bis auf 16 Meter getaucht! Nur mit Luft anhalten. Das fühlt sich ganzschön abgefahren an und hilft mir auf jeden Fall dabei, meinen Körper wieder richtig zu wertschätzen und auch wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten zu gewinnen. Jetzt denke ich, dass wir schon viel früher einen Apnoekurs hätten machen sollen….

Aber der Reihe nach. 

Noch während wir Besuch von Mama/Oma hatten war ich hier auf Grenada tauchen. Grenada ist bekannt als einer der besten Wracktauchspots der Karibik. Da viele der Riffe hier durch Hurrikan Ivan 2004 ganzschön gelitten haben, wurde recht viel dafür getan, die Riffe dabei zu unterstützen, sich wieder zu erholen. Unter Anderem wurden auch einige Schiffe versenkt, um Lebensraum für Korallen, Schwämme, Fische und anderes Getier zu bieten. Das spektakulärste und bekannteste Wrack allerdings ist ein „echtes“ Wrack, das 1961 gesunken ist: die Bianca C.
Sie ist ein 180 m langes Kreuzfahrtschiff, das vor Anker vor St. George durch eine Explosion im Kesselraum Feuer fing. Grenada hatte keinerlei Infrastruktur, um das Feuer zu löschen, so dass das Schiff für 2 Tage brannte, bis ein englisches Schiff aus Puerto Rico ankam, um zu helfen. Es gab insgesamt nur 2 Tote bei 673 Crewmitgliedern, einen bei der ursprünglichen Explosion und einen, der später den Verbrennungen erlag. Die Crew wurde durch die tatkräfige Mithilfe vieler Bootsbesitzer mit lauter kleinen Booten von der Bianca C gerettet. Letztendlich sollte das Schiff dann in flacheres Wasser gezogen werden, doch während des Abschleppens gab es Probleme, so dass die Zugleine gekappt wurde und die Bianca C auf den Grund gesunken ist. Und da liegt sie jetzt und kann betaucht werden.
Und genau das wollte ich tun! Schließlich habe ich gerade meinen Advanced Open Water Schein auf Carriacou gemacht, bin also „ausgebildet“, einen solchen Tauchgang mitzumachen. Ich habe mir auch gleich eine Tauchschule ausgeguckt: EcoDive, eine Tauchschule, die Meeresbiologen im Team hat, ein ökologisches Bewusstsein hat und auch noch Apnoekurse anbietet.
Bevor die mich zur Bianca C mitnehmen wollten, wollten sie mich einmal Tauchen sehen, was ich recht vertrauenerweckend fand. Also habe ich einen ersten Tauchgang zu einem anderen, einfacheren Wrack gemacht, um dann eine Woche später zur Bianca C zu tauchen. Das Wrack liegt auf 30 Meter Tiefe und es gibt recht viel Oberflächenströmung, deswegen springt man vom Boot und taucht direkt runter. Das war dann auch der Plan und leider habe ich vor lauter Aufregung vergessen, meine Weste nochmal komplett zu entleeren, um schnell runter zu kommen. So war ich also viel langsamer als alle anderen und musste mich richtig anstrengen. Ich bin den Luftblasen der restlichen Taucher gefolgt und war eigentlich ganz entspannt. Bis plötzlich die Luftblasen weg waren. 
Nach ca. 10 Sekunden Panik, waren die Luftblasen wieder zu sehen und ich konnte ihnen weiter folgen. Kurz darauf war ich dann auch am Wrack und Marlon, unser Tauchguide hat mich daran erinnert, meine Weste zu entleeren, damit ich leichter sinke. 
Alles also wieder in Ordnung, aber ich war ganzschön aufgewühlt von dem Schreck und das riesige Schiffswrack ist in seiner Größe eh nicht zu begreifen. So ist der ganze Tauchgang in der Erinnerung ein bisschen wie ein Traum. Ich bin am Wrack entlang geschwommen und es ging immer weiter und weiter. Ganz schön beeindruckend, so ein großes Wrack!
Als zweiten Tauchgang an dem Tag haben wir dann noch einen gemütlichen flachen Tauchgang an einem Riff gemacht, auf dem ich dann unsere neue GoPro dabei hatte. Die Herausforderung war, den Tauchgang einfach zu genießen und nicht zu denken, dass ich alles filmen muss. Aber ich habe natürlich recht viel gefilmt. Unter anderem einen Kofferfisch, weil der Adam die Kofferfische so liebt:

Kofferfisch

Aber natürlich auch noch ganz viel Anderes:

Seefeder in der Strömung
Ich glaube, das ist eine Fächergorgonie.
Fischschwarm
Ich weiß nicht, was das ist, aber es ist sehr hübsch. Wenn jemand es erkennt, gerne Bescheid sagen 🙂

Das waren also meine Gerätetauchgänge hier auf Grenada.

Wir waren auch noch im Skulpturenpark von Grenada Schnorcheln und auch hier hatten wir zum Glück die Kamera dabei:

Vicissitudes
The Lost Correspondent

Bei der Gelegenheit hat Adam geübt, aus dem Dinghy zu springen und hatte einen Riesenspass dabei:

Springen!

Eigentlich wollten wir nach der Abreise von meiner Mama relativ bald zurück nach Carriacou segeln und dort einen Apnoekurs (Tauchen ohne Geräte) machen. Leider hat die dortige Freediving-Tauchschule nach dem Lockdown noch nicht wieder richtig ihren Betrieb aufgenommen. Deswegen haben wir uns spontan zu einem gerade beginnenden Kurs in „meiner“ Tauchschule auf Grenada angemeldet. Wir wussten nicht, wie wir das mit Adam machen können, wenn wir beide teilnehmen, aber dachten, dass wir das einfach mal ausprobieren. Klar war, falls es nicht funktioniert, steige ich aus, da ich ja schon das Gerätetauchen für mich gemacht habe. Der erste Termin hat auch wunderbar funktioniert. Bei der Theorielektion hat Adam gemütlich am Busen gelegen und geschlafen und bei der Praxisübung im Pool ist er einfach mitgekommen und einer von uns beiden hat jeweils mit ihm gespielt. Adam war ganz begeistert, dass er endlich mal mitkommen durfte zum Tauchen und sogar mit dem Tauchboot fahren durfte.

Tauchboot fahren

Leider hat Pedro sich am darauffolgenden Tag recht böse am Zeh verletzt und konnte daraufhin nicht mehr ins Wasser 🙁
So bin ich also weiter zum Kurs gegangen und er war mit Adam unterwegs. Nach und nach habe ich also gelernt, mich unter Wasser zu entspannen und meinem Körper zu vertrauen. Und die letzten beiden Tage ging es dann jeweils richtig runter. Am ersten Tag bis auf 10 Meter und heute dann bis auf 16 Meter. In verschiedenen Variationen: mit Leine zum runterhangeln, mit Flossen runterschwimmend und einmal sogar ohne Flossen bis ganz runter. 

Das erste Mal in die Tiefe, noch mit inkorrekter Kopfhaltung 🙂

Es gibt so viel auf einmal zu beachten, dass es ein bisschen gedauert hat, bis ich mich entspannt habe, aber je öfter ich getaucht bin, desto mehr bin ich zur Ruhe gekommen. Spannend auch, wie „Kleinigkeiten“ einen riesigen Unterschied machen. So soll der Kopf z.B. gerade sein, so als ob man nach vorne guckt, damit die Kehle nicht angespannt ist. Nach unten zu tauchen, aber nicht nach unten zu gucken ist allerdings ganzschön merkwürdig! Eine tiefe Vertrauensübung, dass man das Ende der Führungsleine erreichen wird, auch wenn man es nicht sehen kann. 
Auch herausfordernd, aber total meditativ: Beim Hochkommen einfach den Auftrieb arbeiten lassen und nicht die Flossen gebrauchen. Der Körper signalisiert, dass ich so schnell wie möglich nach oben kommen muss und der Kopf weiß aber, dass es genauso schnell und energiesparender (und damit Sauerstoff sparender) ist, sich nicht zu beeilen. Der Kopf weiß außerdem, dass der Atemreflex garnicht von fehlendem Sauerstoff, sondern von dem sich bildenden Kohlenstoffdioxid kommt. Ich bin also nicht in Gefahr obwohl es sich so anfühlt. Eine irre Erfahrung!
Insgesamt durfte ich mehrmals die Erfahrung machen, dass es schneller und weiter geht, wenn ich mich nicht beeile, sondern in Ruhe schwimme oder tauche. Dabei wird weniger Sauerstoff verbraucht und dadurch kann ich weiter bzw. tiefer kommen. Eine reale, direkt erfahrbare Anwendung von „In der Ruhe liegt die Kraft!“.
Ich bin jetzt auf jeden Fall angefixt vom Apnoetauchen und muss jetzt mal gucken, wie wir das weiter in unseren Alltag einbauen. Pedro hat die gesamte Theorie ebenfalls gelernt und jetzt müssen wir mal schauen, wie wir es mit der Praxis für ihn machen.

Was sonst noch geschah:
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TUSCH
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Adam hatte am 09.11. seinen zweiten Geburtstag!
Unglaublich, dass wir diesen tollen Kerl jetzt schon seit 2 Jahren begleiten dürfen! Hier der Text, den ich an seinem Geburtstag geschrieben habe:

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2 Jahre Adam 🍾🎂

Wir können es kaum glauben, dass schon 2 Jahre seit Adams turbulenter Geburt vergangen sind. Im letzten Jahr hat Adam sein Laufen perfektioniert: inzwischen rennt er durch die Gegend 😁! Außerdem übt er gerade wie wild das Sprechen und die Verwendung des Töpfchens. 

Im letzten Jahr haben wir mit ihm den Atlantik überquert und lange Zeit auf Martinique gelegen. Wir sind mit ihm durch den Regenwald zu zauberhaften Wasserfällen und verwunschenen Hängebrücken gewandert.

Es war definitiv ein Jahr des Lernens für uns Alle. Feste Ideen loslassen, einfach Da Sein, Hingabe, Entspannung, Im Moment sein, Pure Freude, Große Trauer, starke Wut: Das Alles und noch viel mehr dürfen wir von und mit Adam lernen. 

Und wir freuen uns auf die weiteren Jahre mit unserem Sohn! 🥳😎

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Den Geburtstag haben wir mit Schokoladenkuchen aus der göttlichen grenadischen Schokolade gefeiert und Adam hat Geschenke ausgepackt.

Geschenke
Schoko-Laden-Kuchen!

Von der Oma gab es das erste „Petterson und Findus“ Buch, nämlich „Eine Geburtstagstorte für die Katze“. Das gucken wir seitdem jeden Tag mehrmals an und Adam erzählt immer wieder von Petterson und seinem Fahrrad. Außerdem gab es einen Roller und eine Maltafel, die Adam jetzt beide fleißig benutzt. Pedro hat mit Adam auch noch einen Helm besorgt, so dass man Adam jetzt fast nur noch mit Roller und Helm sieht 🙂

Roller und Helm!
Petterson gucken

Pünktlich zum Geburtstag redet Adam inzwischen immer mehr und lernt jeden Tag neue Vokabeln. Außerdem hat er sich mit seinem Töpfchen angefreundet und die letzten Tage ist es eine Seltenheit geworden, dass was daneben geht. Und er hat sich auch eine „Makes“ gewünscht, nachdem alle Leute um ihn rum ständig Masken tragen. 

Töpfchen!
Töpfchen und Maske
Coole bunte Maske!

Jeden Abend hilft Adam beim Kochen und falls wir das vergessen fordert er es empört ein! Wenn er uns erwischt, wie wir heimlich kochen, steht er am Niedergang und sagt „Kochen heffen!“, kommt dann runtergeklettert, zieht sich einen Hocker an den Herd und hilft beim Rühren.

Dal kochen

Wie man vielleicht merkt, sind wir recht verliebt in unseren Adam und haben gerade eine richtig schöne Zeit. Pedros Zeh ist inzwischen auch wieder so weit, dass er baden gehen kann. Wir warten jetzt noch auf Holz für unsere Wantenstufen und dann werden wir in Richtung Carriacou und dann auch recht bald nach Martinique aufbrechen, wo am 2. Dezember Ricky und Hans (Adams Tante und Onkel) zu uns stoßen werden. Wir freuen uns!

 

Adventsegeln inder Karibik – ein besinnlicher Törn!
Abschied von Grenada und Carriacou

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ricky Enzendorfer
    18. November 2021 07:40

    Das Tauchen klingt aufregend und nach großem und schönem Erlebnis. Adam ist ein süßer Junge, sehr aufgeweckt und lernbegierig. Einfach schön. Danke für das Teilen eurer Erlebnisse und Erfahrungen, besonders Adams Werden und Wachsen.
    Wir freuen uns auf euch drei und den Aufenthalt und die Natur in der Karibik. Ricky

    Antworten
  • Karer Gabriele
    18. November 2021 07:51

    Hallo ihr Drei! Danke für eure bzw Rebeccas tollen, Interessanten, ausführlichen Reisebericht. Eure Freude und Ruhe kommt so richtig gut rüber. Noch viel Genuss und Spaß euch Dreien. Liebe Grüße Gaby

    Antworten
  • Petermair Anita
    18. November 2021 19:06

    Super Becci – danke fürs Schreiben. Das tut auch uns gut in dem ganzen Corona Chaos, ab MO Lockdown in OÖ, Lockdown bundesweit im Anmarsch? Wer weiß?! Ricky und Hans – finde ich super, dass ihr die Karibianer besucht. Alles Liebe und Gute und, jetzt könnt ihr es schon prima, untertauchen – wenn euch danach ist. LG Anita

    Antworten

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