Wir sind wieder auf Martinique. In den Krawallen aufgrund der Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen und Feuerwehrleute. Die Straßen sind gesperrt und die Supermärkte leeren sich. Frisches Obst und Käse sind Mangelware. So hatten wir uns unser „Heimkommen“ nach 3 Monaten nicht vorgestellt.
Der Abschied von Grenada und Carriacou war nicht ganz einfach. Sowohl innerlich als auch äußerlich. Aber die Fahrt ist gut gelungen. Wir haben recht genau 24 Stunden gebraucht.
Wir wollten eigentlich am Samstagmorgen von Hillsborough aus aufbrechen und noch an den Tobago Cays vorbeifahren. Wir haben von so vielen Menschen gehört, dass das eines der schönsten Fleckchen der Welt sein soll und wir das auf gar keinen Fall verpassen dürfen. Am Samstagmorgen ist uns dann zum Glück doch noch eingefallen, dass wir ja noch ausklarieren müssen, deswegen sind Adam und Pedro nochmal in die Tyrell Bay gefahren, wo wir ausklarieren können. Leider hatte Pedro aber mit seinem österreichischen Pass einklariert und jetzt nur seinen deutschen Pass dabei. Bürokratisches Chaos und es hat natürlich ewig gedauert. Nach seiner Rückkehr zum Pass holen und noch einem Besuch bei der Immigration in Hillsborough (zu der wir auch gleich am Anfang hätten gehen können) sind wir um 12 dann aber endlich fertig zum Losfahren. Noch schnell ein kleines Mittagessen und ein letzter Sprung ins Wasser und dann können wir los.
Beim Duschen nach dem Baden dann der nächste Schock: Unser Wassertank ist leer! Beim letzten Mal Nachfüllen ließ sich der eine Tank nicht richtig befüllen und leider haben wir beide vergessen, rauszufinden, was das Problem ist. Jetzt sind wir also ohne Wasser und müssen nochmal in die Tyrell Bay fahren, um Wasser zu tanken. Hätten wir das gewusst, hätten wir gleich am Morgen rüberfahren können zum Tanken UND Ausklarieren.
Beim Tanken dann natürlich ein Schiff und mehrere Schlauchboote vor uns, es dauert also ewig bis wir unser Wasser bekommen.
Währenddessen bekomme ich von einem uns bekannten Segler, der am Samstag von Martinique aus nach Berlin geflogen ist, die Info, dass es Unruhen auf Martinique gibt. Brennende Barrikaden und Generalstreik. Er ist zu Fuß 7 Stunden zum Flughafen gelaufen. Große Verunsicherung. Sollen wir es wagen? Schnell fragen wir unsere Freundin Camille, die auch auf Martinique ist, wie sie die Lage einschätzt. Sie sagt: „Not crazy, but not fun!“ Wir überlegen hin und her. Wir haben am Freitag PCR-Tests gemacht, mit denen wir spätestens am Montag auf Martinique einreisen können. Danach sind sie zu alt. Am Donnerstag kommen Ricky und Hans auf Martinique an (falls sich die Lage nicht nochmal drastisch verschlechtert), da müssen wir auf jeden Fall dort sein.
Letztendlich entscheiden wir uns, es zu wagen und loszufahren.
Und so kommt tatsächlich der Abschied von Carriacou. Wir hatten eine richtig gute Zeit auf Carriacou und auf Grenada. Wir haben vieles erlebt und gelernt. Zeit, Danke zu sagen und alles nochmal zu würdigen:
Adam hat auf Carriacou angefangen, schwimmen zu lernen. In dem wunderbar klaren Wasser war es eine echte Freude, seinen ersten Schwimmversuchen mit seinem „Badejackei“ zuzugucken. Inzwischen haben wir schon einige Schwimmkörper aus seiner Weste entfernt und er ist zu einer richtigen Wasserratte geworden.
Als wir ankamen hat er noch nicht wirklich gesprochen, jetzt kann man sich langsam mit ihm unterhalten! Er lernt jeden Tag neue Vokabeln (natürlich besonders schnell diejenigen, die wir ihm gar nicht beibringen wollen…) und 3-Wort-Sätze sind inzwischen die Regel.
Die wunderschönen Wanderungen zu den Wasserfällen von Grenada haben mich und auch Adam nachhaltig beeindruckt. Wannimmer wir ein Bild von einem Wasserfall sehen erzählt Adam, dass man bei Wasserfällen schwimmen kann und dass es recht kalt ist dabei.
Roller fahren ist momentan das aufregendste Übungsfeld! Bewaffnet mit seinem Helm und seinem Roller hat Adam Grenada unsicher gemacht und hat recht viel Aufmerksamkeit erregt. Wo auch immer wir hin kamen wurde er warmherzig empfangen und die Menschen haben sofort mit ihm interagiert.
Als Papa mit ihm unterwegs war um einen Helm zu kaufen und die beiden auf dem Rückweg zum Hafen waren, sind die Autos stehen geblieben, darin immer eine Horde schwarzer warmherziger Frauen, die den Adam soooooo süß fanden; das ist angeblich in einer Stunde glatte 4 mal passiert.
So was passiert normal nur wenn schöne Frauen auf dem Gehsteig gehen und Männer Ihre Gunst zeigen wollen (sagt Pedro). Die Beiden und vor allem Adam kamen dann schokoeisverschmiert und stolz wie Bolle von Ihrem Einkaufsbummel zurück.
Bus fahren war eine der Lieblingsbeschäftigungen auf Grenada. Das coole Bussystem hat uns sehr unabhängig sein lassen. Während wir auf Martinique immer ein Mietauto brauchten, da das Bussystem eher nicht so toll ist, sind Adam und ich auf Grenada ganz viel Bus gefahren und haben unsere Unabhängigkeit genossen. Am Anfang waren wir noch recht schüchtern und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich immer mehr darauf vertraut habe, dass ich auf jeden Fall irgendwie wieder nach Hause zurückkomme. Und von dem Moment an war das Lebensgefühl doch sehr viel entspannter.
Ich habe meinen Advanced Open Water auf Carriacou und den Freediver auf Grenada gemacht. Tauchtechnisch war das also ganzschön lehrreich. Und besonders auf Carriacou war das Tauchen ein Genuss: Bei einem Tauchgang habe ich Ammenhaie, Stachelrochen und unzählige Schildkröten gesehen. Und die Riffe um Carriacou sind einfach traumhaft. Ein Seepferdchen habe ich gesehen, einen kleinen Kraken und Flundern. Und natürlich Papageienfische, Kaiserfische, Zackenbarsche, Barracudas, Kofferfische, Igelfische und viele mehr. Ich habe viel über Fischbestimmung und das Ökosystem Meer gelernt.
Wir haben neues Essen kennengelernt. Zum Beispiel Golden Apples. Auf Deutsch heißen die Goldpflaumen und sind momentan unser Standardobst. Sehr lecker! Außerdem trinken wir gerade ganz viel Hibiskusauszug. Hier heißt die Pflanze „Sorrel“ und schmeckt weihnachtlich-erfrischend in Kombination mit den grenadischen Gewürzen: Zimt, Piment, Sternanis, Nelken, Muskat, Vanille und Lorbeer. Ich habe gelernt, mit Kochbananen und Callaloo zu kochen. Unsere Essenspalette erweitert sich ständig.
Immer wieder durften wir die Freundlichkeit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen erleben. Es gab viele kleine Situation, die mich berührt haben. Sei es Hilfe im Bus wenn ich schwer beladen mit Adam und Roller und Rucksack unterwegs war oder einfach die Bereitschaft der Menschen für Kontakt. Der Obstverkäufer, der Adam am liebsten adoptiert hätte und den Adam am letzten Tag ganz selbstverständlich bei der Hand genommen hat, um über die Straße zu gehen. Oder die Obstverkäuferin auf Carriacou, die uns bei unserer Rückkehr aus Grenada als Willkommensgeschenk eine Viertel Papaya geschenkt hat. Oder meine Tauchlehrerin auf Carriacou, die mich sofort mit einer Umarmung zurückbegrüßt hat.
5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
…dann mal alles gute auf martinique!!! möge sich die lage wieder beruhigen. ich drücke mal ganz feste die daumen – seid umarmt von mama / renate
Schöner Bericht und Eindrücke Becci, danke.
Sind grad im Zug zum Flughafen in Wien. PCR-Tests natürlich negativ. Wir hoffen sehr, dass sich die Lage auf Martinique und Guadeloupe entspannt und wir den Aufenthalt in der Karibik richtig genießen können. Freuen und schon sehr auf das Neue, die Sonne und das Meer und auf euch drei. Bis bald Ricky und Hans
Alles Liebe und Gute in die Karibik, dass sich die „Wogen“ glätten und ihr weiterhin euren Aufenthalt mit den Turns genießen könnt. Super Bericht Becci – danke dafür! Für Ricky und Hans ein gutes Ankommen und eine wunderbare Zeit miteinander :-)!
Es berührt mich jedes mal von euerem Abenteuer zu lesen, während ich hier in dem trüben Berlin aus dem Fenster schaue.
Ich kann dann richtig eintauchen. Am meisten freut mich das Aufwachsen eines richtig glücklichen Kindes mitverfolgen zu können. Bin sehr gespannt wie sich Adam entwickelt und was sich aus so einem tollen Start entfaltet.
Unsere Lieben, wir freuen uns immer sehr von euren ereignisreichen Tagen in der „anderen Welt“ zu erfahren, und bewundern auch eure super Fotos voller Lebensfreude.
Alles Gute weiterhin für euch drei, resp, bald fünf – mit Ricky und Hans – schaut gut auf euch und bleibt gesund!
Liebe Grüsse aus Zürich von Greti und Otti